Noch heute gilt im wesentlichen, wenn auch statt der deutschen Bevölkerung eine polnische eingezogen ist, was 1936 eine Werbebroschüre über Patschkau aussagte:
„Von welcher Seite man sich der Stadt auch nähert, immer
grüßt schon von ferne der schlanke, hochgereckte Kirchturm,
das Wahrzeichen von Patschkau. Er weist den Weg zu einer schönen,
regsamen Kleinstadt (8.000 Einwohner, gegründet 1254). Dieser
Kirchturm, hochragend über die Dächer und das Mauerrund,
weist auch gleichzeitig zu den Bergen, die als liebliche Naturkulisse
hinter der Stadt stehen.
Von Südosten bis Westen begrenzen die Berge den Blick, blaue,
leuchtende Gipfel reihen sich einer dem anderen an; die Kette der
Sudeten, Landesgrenze. Im Vordergrunde stehen unsere heimatlichen
Reichensteiner Berge, deren Krone die 908 m hohe Heidelkoppe ist
(schöne drei- bis vierstündige Wanderung von Patschkau). Die
herrlichen Nadelwälder um den Hohen Stein, jenseits der
Reichsgrenze gelegen, sind (waren bis 1945!) seit 1420 Besitz der Stadt
Patschkau. Nordöstlich aber, etwa 40 Minuten hinter der Stadt,
erreicht die (Glatzer) Neiße ihr erstes Ziel. Hier beginnt der
Stausee Ottmachau, in dem sich die Berge spiegeln.
Doch wenden wir uns der Stadt zu. Der Mauerring, einst die Stadtgrenze,
ist längst zu eng geworden. Entwicklungswille, in der jüngsten
Zeit wieder gefördert, ließ ganze Stadtteile neu erstehen.
Schöne Eigenheime, in planvoller Siedlung angelegt, finden wir
rings um die Stadt. Auf dem geräumigen Ringe reihen sich alte
Bürgerhäuser mit entzückenden Barockgiebeln. Eine
besondere Zierde ist jener historische Eckbau am Mittelring, der nach
innerer Neugestaltung nun die Stadtsparkasse beherbergt. Den Kernpunkt
der Stadt bildet das grünumrankte, blumengeschmückte Rathaus
(Biedermeierstil). Ihm zur Seite wuchtet auf breitem Sockel ein Turm,
dessen schöne Renaissanceform in gotischer Zartheit ausklingt. Alte
Wappen an dem Turm geben Kenntnis von seiner Bauzeit, die um 1550 liegt.
Wir betrachten noch die beiden alten, lindenumstandenen
„Röhrbütten” rechts und links auf dem Marktplatz,
die früheren Stadtbrunnen.
Dann schreiten wir die Konradstraße hinan und stehen alsbald vor
der gewaltigen St. Johanneskirche.”

Früher verbrachten viele Sommerfrischler ihre Ferien in Patschkau, wanderten von dort aus in das Reichensteiner Gebirge. Zuziehende Pensionäre bauten sich im „Schlesischen Rothenburg” Villen. Der idyllische Mauerkranz mit seinen Halbschalen- und Tortürmen ist eingefasst mit einer im 19.Jahrhundert auf den ehemaligen Wallgräben angelegten Promenade. Die neuen Einwohner nennen die Stadt das „Polnische Carcassone”. Nach dem Krieg aus Frankreich heimkehrende Soldaten hatten die Stadt so benannt. Seither kommen jedes Jahr im Herbst aus ganz Polen Maler zusammen. Sie finden in der ganzen Altstadt Motive. Inzwischen kommen auch die ehemaligen Einwohner immer öfter zu einem Kurzbesuch in ihre Geburtsstadt. Zu deutsch-polnischen Veranstaltungen reisten 1996 sogar 250 Deutsche an. Zur gemeinsamen 750-Jahr-Feier 2004 kamen immerhin 150 Gäste aus dem Westen.
Letzte Änderung: 05.03.2006
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