Die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik erhielt der Osnabrücker Leo Schiller (rechts) am Samstag von Einbecks Bürgermeister Ulrich Minkner. Foto: Jörg Sanders
Die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik erhielt der Osnabrücker Leo Schiller (rechts) am Samstag von Einbecks Bürgermeister Ulrich Minkner. Foto: Jörg Sanders

Einsatz für die Aussöhnung 

Der Osnabrücker Leo Schiller erhielt am 22. Mai 2011 in Einbeck für sein langjähriges Engagement für Heimatvertriebene und seinen Einsatz für freundschaftliche Beziehungen zwischen Deutschen und Polen die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

   

Einbecks Bürgermeister Ulrich Minkner (SPD) übergab die Auszeichnung und nannte Schiller in seiner Laudatio einen „würdigen Empfänger“. Sein „Engagement ist beispielhaft, sein Einsatz vorbildlich“, betonte das Stadtoberhaupt.

Schiller, der als 14-Jähriger aus seiner Heimatstadt Patschkau (dem heutigen Paczków) vertrieben wurde, war sichtlich bewegt. „Ich bin sehr glücklich über diese Auszeichnung. Diese Anerkennung übertrage ich auf alle Patschkauer.“

Mit seiner Arbeit hat der 1931 geborene Leo Schiller maßgeblich dazu beigetragen, dass in Patschkau heute eine weitgehend versöhnte Atmosphäre zwischen Polen und Deutschen herrscht. Er sei zunächst lange Zeit "furchtbar traurig und zornig" über seine Vertreibung 1946 gewesen, erinnert er sich. Doch heute habe er viele Freunde in seiner schlesischen Heimatstadt. „Wir müssen alle etwas tun, um den Frieden zu wahren“, davon ist Leo Schiller überzeugt.

Zur Aussöhnung gehört auch das Zentrum gegen Vertreibung

Das Zentrum gegen Vertreibungen gehört nach Berlin. Es wird sich über Europa hinaus gegen Vertreibungen wenden. Nur Tatsachendarstellungen, keine Polemik wird es geben. Aber warum fürchten sich insbesondere Polen und Tschechen davor? Warum verschweigt man - das gilt auch für manche politische Partei in Deutschland - dass die Vertriebenen in ihrer Charta sich schon 1950 in Stuttgart für Frieden und Versöhnung ausgesprochen haben, dass der langjährige Vorsitzende der Landsmannschaft Schlesien, Herbert Hupka, vor wenigen Jahren zum Ehrenbürger seiner Heimatstadt Ratibor erklärt wurde? Versöhnung geschieht durch die ausgestreckte Hand von Vertriebenen und Polen an vielen Stellen.
Wir sind stolz darauf, dass wir - allerdings auf der Basis umfassender Wahrhaftigkeit - mit Mut und Entschlossenheit Beispiele für unsere Versöhnungsbereitschaft erbracht haben. Wir gehen diesen Weg unbeirrt weiter!

Wussten Sie

  • dass unser Heimatpfarrer ganze LKW-Ladungen an Hilfsgütern in schwierigen Zeiten an polnische Einwohner in verschiedenen Orten im Kreis Neisse/Nysa gebracht hat?
  • dass Patschkauer und Dörfler nach dem Hochwasser der Neiße 1998 durch eine Tombola und Spendenaufrufe in der „Dohle” sich bemühten, die in Patschkau/Paczków eingetretene Not zu lindern?
  • dass in den 90er-Jahren unser Heimatpfarrer vor Weihnachten nach Patschkau/Paczków fuhr und an jedes Schulkind eine Tafel Schokolade verteilte?
  • dass sich 1996 – 50 Jahre nach ihrer Vertreibung 250 Patschkauer und Dörfler „zu Wiedersehen und Begegnung” nach Patschkau/Paczków begaben, dort offiziell von Bürgermeister und Stadtrat empfangen wurden, mit Polen und Tschechen zusammen einen Gottesdienst feierten und danach miteinander das Brot der Versöhnung brachen, sich Polen und Deutsche bei einem festlichen Abend trafen?
  • dass der Bürgermeister und der Ratsvorsitzende von Paczków/Patschkau mit ihren Ehefrauen auf Einladung des Schlesischen Heimatvereins Patschkau und Umgebung an einem Patschkauertreffen in der Paten- und Partnerstadt Einbeck teilnahmen, als Gastgeschenk einen historischen Stuhl aus dem Patschkauer Rathaus mitbrachten?
  • dass der Redakteur der Patschkauer Heimatzeitung und verschiedene polnische Autoren unter Angabe der jeweiligen Patschkauer Quellen gegenseitig Texte übernehmen?
  • dass Deutsche und Polen gemeinsam das 750-jährige Gründungsjubiläum in Patschkau feierten? Hierzu waren 150 ehemals in Patschkau und den umliegenden Dörfern Wohnhafte angereist. Nicht nur deutsche, polnische und tschechische Geistliche feierten mit Texten in ihren drei Sprachen einen Festgottesdienst, der Weihbischof von Oppeln war dabei, um das Ereignis zu unterstreichen.
  • dass anlässlich des Patschkauer Stadtjubiläums der Bürgermeister eine Ansichtskartensammlung herausgab, deren Einzelheiten von polnischen Stadtbewohnern und ehemaligen deutschen Einwohnern gemeinsam bearbeitet wurden?
  • dass verschiedene geistliche und weltliche Behörden in der Stadt Paczków/Patschkau dem "Dohlen-Redakteur" Dokumente zur Ablichtung für das Patschkauer Heimatblatt und das Patschkauer Archiv überließen?
  • dass der Pfarrer der St.Johannes-Kirche in Paczkó/Patschkau der Anbringung einer Tafel an gut sichtbarer Stelle seines Kirchengebäudes zustimmte, das in polnischer und deutscher Sprache ausführt: „Zum Gedenken an die Verstorbenen derer, die bis 1945 in Patschkau Heimat und Wohnung hatten.”
  • dass „polnische und deutsche Patschkauer” gemeinsam historischen Quellen nachgehen, zuweilen auch polnischen Autoren in der „Patschkauer Dohle” Platz eingeräumt wird?
  • dass in den vergangenen Jahrzehnten zwischen polnischen und deutschen Familien in Patschkau und Umgebung aus zunächst zögerlichen Begegnungen viele Freundschaften entstanden sind?
  • dass der Bürgermeister von Paczków und der Redakteur der Patschkauer Dohle vereinbart haben, die Homepages der jeweils anderen Seite als Link in die eigene Homepage aufzunehmen?