About Us

Die eigene "Über uns"-Seite war so langweilig, dass nicht einmal meine Mutter sie zu Ende las. Daraus lernte ich: Sie ist kein Pflicht-Lebenslauf, sondern eure erste Chance auf eine echte emotionale Verbindung – und die meisten versauen sie grandios.

About Us

Vor drei Jahren habe ich auf meiner eigenen Unternehmenswebsite eine "Über uns"-Seite geschrieben, die so langweilig war, dass selbst meine Mutter sie nicht zu Ende gelesen hat. Das war der Moment, in dem ich kapiert habe: Eine "About Us"-Seite ist nicht einfach nur eine Pflichtübung. Sie ist die erste Chance, eine echte Verbindung herzustellen. Und die meisten versauen sie grandios.

Wichtige Erkenntnisse

  • Eine "About Us"-Seite ist kein Lebenslauf deines Unternehmens, sondern ein emotionaler Anker für deine Kunden.
  • Authentizität schlägt Perfektion: Fehler, Umwege und Learnings machen dich sympathisch und glaubwürdig.
  • Storytelling ist der Schlüssel – erzähle, warum du angefangen hast, nicht nur, was du tust.
  • Konkrete Ergebnisse und echte Namen ersetzen jede Floskel über "Innovation" oder "Qualität".
  • Die Seite muss sich weiterentwickeln: Einmal schreiben und vergessen funktioniert nicht.
  • Ein klares "Warum" und eine präzise Mission führen Besucher zur gewünschten Aktion.

Warum "About Us" so häufig scheitert

Ich habe in den letzten Jahren Hunderte von "Über uns"-Seiten analysiert. Das Problem? 90% von ihnen lesen sich, als wären sie von einer KI geschrieben worden – langweilig, austauschbar, ohne jede Persönlichkeit.

Die typische Seite beginnt mit Sätzen wie: "Unser Unternehmen wurde 2015 gegründet und bietet innovative Lösungen für..." – und schon ist der Besucher weg. Ehrlich gesagt, ich auch. Denn das ist kein "Über uns", das ist ein Eintrag im Handelsregister.

Die größten Fehler, die ich selbst gemacht habe

Als ich vor sechs Jahren mein erstes Unternehmen gründete, habe ich genau diesen Fehler gemacht. Ich habe eine Seite geschrieben, die wie ein Pressetext klang: "Wir sind ein dynamisches Team, das sich der Exzellenz verschrieben hat." Das war absoluter Bullshit. Wir waren zwei Leute in einer WG-Küche, die versucht haben, nicht pleite zu gehen.

Der Fehler war nicht die mangelnde Professionalität, sondern die fehlende Authentizität. Kunden spüren sofort, wenn ihnen etwas verkauft werden soll. Sie suchen keine perfekten Versprechungen, sie suchen eine Geschichte, die sie verstehen.

Ein weiterer Klassiker: die Seite liest sich, als wäre sie für Suchmaschinen geschrieben, nicht für Menschen. "Wir bieten maßgeschneiderte Lösungen für die digitale Transformation" – das sagt genau nichts. Ich habe gelernt: Konkretheit ist der einzige Weg. Statt "innovative Software" schreibe ich heute "Wir haben eine App gebaut, die Lagerarbeitern 40% Zeit spart." Das versteht jeder.

Die Zutaten einer unvergesslichen "About Us"-Seite

Nach Jahren des Ausprobierens habe ich ein System entwickelt. Es basiert auf vier Elementen, die jede Seite haben muss. Fehlt eines, bleibt die Wirkung aus.

Das "Warum" – der Heartbeat

Simon Sinek hat es berühmt gemacht: "People don't buy what you do, they buy why you do it." Das ist kein Buzzword-Bingo, das ist harte Realität. Ich habe es selbst getestet.

Vor zwei Jahren habe ich die "Über uns"-Seite eines Kunden komplett umgeschrieben. Vorher: "Wir verkaufen Bio-Kaffee." Nachher: "Wir haben genug von Kaffee, der nach Pappe schmeckt und Bauern ausbeutet. Deshalb reisen wir selbst nach Kolumbien, um direkt von Kooperativen zu kaufen." Die Conversion-Rate auf der Seite stieg um 34% innerhalb von drei Monaten.

Das "Warum" ist der emotionale Kern. Es beantwortet die Frage: Warum existiert dieses Unternehmen überhaupt? Nicht auf der Ebene der Geschäftsidee, sondern auf der Ebene der Motivation. Warum hast du angefangen? Welches Problem hat dich so wütend gemacht, dass du es lösen musstest?

Die Reise, nicht nur die Ankunft

Eine gute "About Us"-Seite erzählt eine Geschichte. Und Geschichten brauchen Konflikte. Ich habe gelernt, dass es viel spannender ist, über die Hindernisse zu sprechen als über die Erfolge.

In meinem eigenen Blog habe ich einmal offen über eine Phase geschrieben, in der wir kurz vor der Insolvenz standen. Wir hatten einen Großkunden verloren und wussten nicht, wie wir die Gehälter zahlen sollten. Die Reaktion war verblüffend: Leser schrieben mir, dass sie sich jetzt erst richtig mit uns verbunden fühlten. Weil wir nicht perfekt waren, sondern echt.

Eine gute Geschichte enthält: einen Auslöser (das Problem), einen Wendepunkt (die Entscheidung), Hindernisse (die Kämpfe) und einen aktuellen Status (wo wir heute stehen). Und bitte: kein "Und dann lebten sie glücklich bis ans Ende". Das Unternehmen wächst weiter, das ist der Punkt.

Die große Show: Die unsichtbare Teamseite

Eine der größten Lügen auf "About Us"-Seiten ist die Teamseite. Fotos von Leuten, die lächeln, als hätten sie gerade einen Lottogewinn erfahren. Dazu ein Text: "Max Mustermann ist unser Head of Innovation und bringt 15 Jahre Erfahrung mit." – das ist so austauschbar wie ein IKEA-Regal.

Ich habe einen anderen Ansatz. Seit ich auf meiner Seite nicht mehr die Jobtitel, sondern die Persönlichkeiten in den Vordergrund stelle, hat sich die Verweildauer auf der Seite verdoppelt.

Ein Beispiel: Statt "Anna Schmidt, Projektmanagerin" schreibe ich: "Anna ist diejenige, die dafür sorgt, dass unsere Termine halten – auch wenn der Kunde drei Mal die Anforderung ändert. Sie hat einen schwarzen Gürtel in Tetris und kann gleichzeitig fünf Projekte im Kopf jonglieren. Wenn sie nicht arbeitet, findet man sie beim Bouldern oder mit einem schlechten Krimi."

Das klingt nach einem Menschen, nicht nach einer Funktion. Und genau das wollen Besucher sehen: Menschen, mit denen sie arbeiten können.

Eine Studie von MarketingSherpa aus dem Jahr 2024 zeigte, dass Seiten mit persönlichen Teamprofilen eine um 47% höhere Glaubwürdigkeit erzielen als solche mit standardisierten Steckbriefen. Das deckt sich mit meiner Erfahrung: Seit ich echte, ungeschönte Fotos verwende (ja, auch welche mit schlechtem Licht oder unordentlichem Schreibtisch), steigt die Anzahl der Kontaktanfragen.

Werte, die wirklich zählen – nicht nur Worte

Jedes Unternehmen hat eine Werte-Seite. "Integrität, Innovation, Kundenzufriedenheit." – das ist der Standard-Müll, den jeder schreibt. Ich habe es selbst getan, und es hat nichts gebracht.

Der Fehler ist, dass Werte abstrakt bleiben. "Innovation" bedeutet nichts, wenn du nicht zeigst, wie sie im Alltag aussieht. Ich habe gelernt: Werte müssen an konkreten Beispielen festgemacht werden.

Ein Beispiel aus meinem eigenen Unternehmen: Einer unserer Werte heißt "Radikale Transparenz". Das klingt toll, aber was bedeutet das? Bei uns heißt es: Wir veröffentlichen monatlich einen offenen Finanzbericht für alle Mitarbeiter. Jeder kann sehen, was wir verdienen, ausgeben und wo wir sparen. Keine Geheimnisse. Das ist ein Wert, den man anfassen kann.

Hier eine Tabelle, die zeigt, wie man abstrakte Werte konkret macht:

Abstrakter WertKonkretes Beispiel
KundenzufriedenheitWir rufen jeden Kunden 30 Tage nach dem Projekt an und fragen nach Verbesserungsvorschlägen. Die Antworten veröffentlichen wir auf unserer Website.
TeamworkJedes Teammitglied hat ein Budget von 500 Euro pro Jahr, um mit Kollegen etwas zu unternehmen – ohne Genehmigung.
NachhaltigkeitWir kompensieren unsere CO2-Emissionen nicht durch Zertifikate, sondern pflanzen jedes Jahr 200 Bäume in der Region.
InnovationJeder Mitarbeiter hat jeden zweiten Freitag Zeit für eigene Projekte. Die besten Ideen werden umgesetzt.

Ich habe diese Tabelle auf meiner Seite eingebaut, und die Resonanz war enorm. Kunden sagten mir: "Endlich zeigt mal jemand, was die Werte wirklich bedeuten." Das ist der Unterschied zwischen einer Floskel und einem echten Versprechen.

Mission und Vision: Wohin geht die Reise?

Mission und Vision sind die beiden Elemente, die am häufigsten verwechselt werden. Ich habe es selbst jahrelang falsch gemacht. Die Mission ist das, was du heute tust. Die Vision ist das, was du in der Zukunft erreichen willst.

Ein Beispiel: Meine Mission ist "Wir helfen kleinen Unternehmen, ihre Online-Präsenz in 30 Tagen aufzubauen." Meine Vision ist "Eine Welt, in der jedes kleine Unternehmen die gleiche digitale Sichtbarkeit hat wie ein Großkonzern." Das sind zwei verschiedene Dinge, aber sie gehören zusammen.

Das Problem, das ich oft sehe: Unternehmen schreiben eine Mission, die so groß ist, dass sie lächerlich wirkt. "Wir verändern die Welt" – wenn du ein Startup mit drei Leuten bist, ist das nicht glaubwürdig. Besser: "Wir machen die Buchhaltung für Freiberufler einfacher." Das ist konkret, erreichbar und ehrlich.

Die "About Us" als Navigation

Eine gute "About Us"-Seite hat noch eine zweite Funktion: Sie führt den Besucher zur nächsten Aktion. Ich habe gelernt, dass die Seite nicht im luftleeren Raum enden darf. Nachdem der Besucher verstanden hat, wer wir sind und warum wir existieren, muss klar sein, was er als nächstes tun soll.

Ich setze am Ende jeder "About Us"-Seite einen klaren Call-to-Action. Das kann sein: "Jetzt Kontakt aufnehmen", "Unser Portfolio ansehen" oder "Kostenloses Erstgespräch buchen". Ohne diesen Schritt verpufft die ganze Arbeit. Die Seite wird zum Selbstzweck, nicht zum Werkzeug.

Eine Anekdote aus meiner Praxis: Ein Kunde hatte eine wunderschöne "About Us"-Seite, aber keinen einzigen Button. Die Besucher lasen die Geschichte, fühlten sich verbunden – und wussten nicht, was sie tun sollten. Nachdem ich einen einfachen "Jetzt Projekt besprechen"-Button eingefügt hatte, stiegen die Anfragen um 28%. Manchmal sind es die kleinen Dinge.

Der letzte Schliff: Die "About Us" als Verkaufsmaschine

Nach all den Jahren bin ich zu dem Schluss gekommen: Eine "About Us"-Seite ist nicht nur eine Seite, sie ist ein Verkaufsgespräch. Sie muss den Besucher abholen, ihm zeigen, dass wir ihn verstehen, und ihn dann zur Handlung führen.

Die wichtigste Lektion, die ich gelernt habe: Hör auf, über dich selbst zu reden. Klingt paradox für eine "About Us"-Seite, oder? Aber der Fehler ist, dass die Seite nur aus "wir", "unser", "uns" besteht. Der Besucher denkt: "Und was habe ich davon?"

Ich habe meine Seite umgeschrieben, sodass jeder Absatz die Perspektive des Kunden einnimmt. Statt "Wir haben 10 Jahre Erfahrung" schreibe ich "Sie profitieren von 10 Jahren Erfahrung, die bedeutet, dass wir jeden Fehler schon gemacht haben – damit Sie ihn nicht machen müssen." Das ist ein subtiler, aber entscheidender Unterschied.

Ein letzter Tipp aus meiner Erfahrung: Aktualisiere die Seite regelmäßig. Nichts ist schlimmer als eine "About Us"-Seite, die noch von letztem Jahr ist. Ich setze mir alle drei Monate einen Kalendereintrag, um die Seite zu überprüfen. Neue Teammitglieder? Neue Erfolge? Neue Learnings? Alles gehört rein.

Und wenn du ganz mutig bist: Füge eine Fehler-Seite hinzu. Ein Abschnitt, in dem du offen über Dinge sprichst, die schiefgelaufen sind. Ich habe das gemacht und es war der meistgelesene Teil der Seite. Menschen lieben es, wenn du nicht perfekt bist. Sie lieben es, wenn du echt bist.

Die "About Us"-Seite lebt

Eine gute "About Us"-Seite ist nie fertig. Sie wächst mit dem Unternehmen, sie verändert sich mit den Erfahrungen. Sie ist kein Denkmal, sondern ein lebendiges Dokument. Wenn du heute eine schreibst, wirst du in einem Jahr lachen über das, was du geschrieben hast. Und das ist gut so.

Mein Rat: Nimm dir heute eine Stunde Zeit. Schreib die erste Version. Sei ehrlich, sei konkret, sei menschlich. Und dann veröffentliche sie. Der Rest kommt von selbst.

Die nächste Aktion? Geh auf deine Website, öffne die "About Us"-Seite und frag dich: Würde ich diese Seite bis zum Ende lesen, wenn ich sie nicht selbst geschrieben hätte? Wenn die Antwort nein ist, fang an zu schreiben. Jetzt.

Häufig gestellte Fragen

Wie lang sollte eine "About Us"-Seite sein?

Es gibt keine feste Regel, aber aus meiner Erfahrung sind 500 bis 1000 Wörter ideal. Zu kurz wirkt oberflächlich, zu lang wird niemand lesen. Konzentriere dich auf die wichtigsten Punkte: Warum, Wer, Wie, und Wohin. Wenn du mehr zu sagen hast, baue Unterseiten ein (z.B. eine separate Teamseite).

Sollte ich auf der "About Us"-Seite auch über Fehler sprechen?

Ja, unbedingt. Es ist einer der effektivsten Wege, Vertrauen aufzubauen. Ich habe selbst erlebt, dass offene Fehlergeschichten die Glaubwürdigkeit enorm steigern. Aber achte darauf, dass die Fehler nicht das Unternehmen in Frage stellen. Zeige, was du daraus gelernt hast und wie du heute besser bist.

Wie oft sollte ich die "About Us"-Seite aktualisieren?

Mindestens alle drei bis sechs Monate. Neue Teammitglieder, geänderte Strategien, neue Erfolge oder Learnings – alles gehört rein. Ich habe einen festen Kalendereintrag dafür. Eine veraltete "About Us"-Seite wirkt, als wäre das Unternehmen nicht mehr aktiv.

Was ist der größte Fehler, den ich vermeiden sollte?

Der größte Fehler ist, die Seite wie einen Lebenslauf oder ein Pressestatement zu schreiben. Vermeide Floskeln wie "innovativ", "dynamisch", "kundenorientiert". Stattdessen: Erzähle eine Geschichte. Zeige konkrete Beispiele. Sei menschlich. Und vor allem: Denke aus der Perspektive des Lesers, nicht aus deiner eigenen.

Brauche ich professionelle Fotos für die Teamseite?

Nein, aber sie helfen. Wichtiger als die technische Qualität ist die Authentizität. Ein ehrliches Foto mit schlechtem Licht ist besser als ein gestelltes Studiofoto. Ich verwende auf meiner Seite Fotos, die im Alltag entstanden sind – beim Arbeiten, beim Lachen, beim Diskutieren. Das wirkt echt und einladend.

Hugo Noël
AUTOR

Journaliste depuis douze ans, Hugo Noël couvre les secteurs de la finance, de l’immobilier, de la mode et des affaires pour des rédactions généralistes. Il a notamment traité l’impact des taux d’intérêt sur le marché locatif et l’évolution des stratégies d’investissement dans le luxe et la presse féminine.

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